
Zur Zeit des 7. Dalai Lama kam ein junger Mann aus Amdo und bat um Aufnahme im Haus seiner Landsleute im Kloster Sera. Seine Erscheinung war so armselig, daß er abgewiesen wurde. Als er sich vom Haus abwandte, traf er auf den Wegen des Klosters eine alte Mutter. Die Frau riet ihm, beim Tschadrel-Haus anzufragen, und versicherte ihm, daß er dort aufgenommen werde. Er folgte dem Ratschlag, konnte in das Kloster eintreten und zeigte großes Interesse an den Studien. Bald wurden die außergewöhnlichen Fähigkeiten eines großen Meisters an ihm erkennbar. Er wurde berühmt als Meister Ngawang Thöndrup und diente in unvergleichlicher Art den Unterweisungen des Buddha als Abt des Sera-Dsche-Klosters und als Lehrer S.H. des 8. Dalai Lama. Er verbrachte viel Zeit in Meditation in einer Höhle in den Bergen nahe bei Lhasa, wo später das Gonsar-Kloster gebaut wurde. Als die Menschen in Lhasa das "Neue Kloster" von der Stadt aus sahen, begannen sie den Meister "Lama vom neuen Kloster" zu nennen, was auf tibetisch "Gonsar" (neues Kloster) heißt. Dieser Name ist der Linie der Gonsar Rinpotsches bis heute geblieben.
Der vierte Gonsar Rinpotsche, die Inkarnation vor dem gegenwärtigen, studierte ebenfalls im Kloster Sera. Nachdem er in seinen frühen Zwanzigerjahren seine Studien mit dem Gesche-Titel vollendet hatte, reiste er in die Mongolei und wurde einer der berühmtesten buddhistischen Meister der Mongolei unserer Zeit. Er unterrichtete dort mehr als dreißig Jahre und zeigte in seiner Hilfe für die Bevölkerung wiederholt übernatürliche Fähigkeiten. So war er beim Volk sehr beliebt, und fast alle zeitgenössischen Meister der Mongolei wurden seine Schüler.
Der gegenwärtige Gonsar Rinpotsche wurde 1949 in Schigatse, Tibet, in einer alten Fürstenfamilie in der Linie der tibetischen Könige geboren. Sein Vater war Gouverneur der Provinz Tsang in West-Tibet. Im Alter von drei Jahren wurde Gonsar Rinpotsche als fünfte Inkarnation in der Linie der Gonsar Rinpotsches erkannt und von S.H. Dalai Lama bestätigt. Mit sechs Jahren trat er in das Kloster Sera ein. Von Anfang an wurde er unter der gütigen Fürsorge Gesche Rabtens aufgezogen und unterrichtet. Gonsar Rinpotsche erhielt eine große Zahl von Unterweisungen und Übertragungen von S.H. Dalai Lama und vielen anderen Meistern, im besonderen von Kyabdsche Tridschang Rinpotsche und Gesche Rabten Rinpotsche.
Als 1959 Tibet unter die Macht Rotchinas fiel, floh er mit Gesche Rabten nach Indien und führte seine Studien dort weiter. Gleichzeitig lernte er Englisch und Hindi. Im Jahr 1969 fing er an, Gesche Rabtens Unterweisungen für westliche Studenten ins Englische zu übersetzen.
Seit dem Ableben des Ehrwürdigen Gesche Rabten im Jahr 1986 hat Gonsar Rinpotsche alle Aktivitäten seines Meisters weitergeführt, nachdem er 33 Jahre als sein engster Schüler verbracht hatte. Zur Zeit ist Gonsar Rinpotsche Direktor des Zentrums auf dem Mont-Pèlerin, der Zentren in Feldkirch, Grinzens und München. Er gibt regelmäßig Unterweisungen auf englisch, deutsch oder tibetisch.
Der erste Gonsar Rinpotsche war berühmt für seine besonders tiefen und weiten Unterweisungen über den vollständigen Weg zur Erleuchtung. Der gegenwärtige Gonsar Rinpotsche ist bekannt als einer der ganz wenigen zeitgenössischen Meister, der in der Lage ist, jeden Aspekt der Unterweisungen des Buddha als klare und bewegende Erfahrung zu vermitteln.
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