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Aus dem Text:
Zum Wort Mahamudra oder auf tibetisch tschakya tschenpo: Das Wort Mudra oder tschakya auf tibetisch bezieht sich auf die Leerheit, die letztliche Wahrheit. Ich erwähnte, daß es ein Mahamudra entsprechend den Sutras gibt und ein Mahamudra entsprechend den Tantras. Manch einer mag nun auf die Idee kommen, daß eventuell die Leerheit, die in dem Wort Mudra steckt, in bezug auf die Tantras wertvoller sei oder tiefer gehe als die der Sutras. Das trifft jedoch in keiner Weise zu. Damit beziehe ich mich auf ein Wort des großen Meisters Shakya Pandita, in dem deutlich gemacht wird, daß die Leerheit, wie sie im Sutrayana erklärt wird, sich in keiner Weise von der Leerheit des Tantrayana unterscheidet.
Das Wort Mudra oder tschakya bedeutet Siegel; und der Grund, weshalb die Leerheit mit diesem Wort Siegel benannt wird, ist der folgende: Wenn in einem Büro oder in einem Ministerium eine Person, die die entsprechende Berechtigung hat, eine Unterschrift gibt oder ein Siegel setzt, dann bewirkt das, daß dieses damit besiegelte Gesetz gültig wird und nicht mehr verändert werden kann, daß man es nicht anders benützen kann. Und diese Bedeutung des Siegels wird übernommen in bezug auf die Gesamtheit der Phänomene.
Mahamudra bedeutet Großes Siegel. Der Grund, weshalb das Wort maha, oder groß verwendet wird, ist folgender: Wenn man diese Leerheit, die mit dem Wort Siegel deutlich gemacht wird, einmal erkannt hat, dann ist es einem möglich, durch diese Erkenntnis die Befreiung vom Daseinskreislauf, ja selbst die vollständige Erleuchtung zu erlangen. Weil so große Ziele erreicht werden können, wird dieses Siegel Großes Siegel genannt.
Die Leerheit, die das Objekt des Mahamudra ist, wird in den Sutras und in den Tantras gleich dargelegt. Die Methoden der Meditation über diese Leerheit jedoch sind je nach Anwendung des Sutrayana oder des Tantrayana unterschiedlich. Der letztliche Geist, der das Große Siegel erkennt, ist der Weisheits-Dharmakaya des Buddha.
Wir haben gehört, daß es eine Art der Meditation über dieses Mahamudra entsprechend dem Sutrayana gibt und eine entsprechend dem Tantrayana, und wir möchten wahrscheinlich gern wissen, inwiefern sich diese unterscheiden: Betrachten wir z.B. eine Aufführung in einem Zirkus, dann sprechen wir erst dann vom Sehen der Aufführung, wenn wirklich die verschiedenen Begebenheiten vor unsern Augen ablaufen: Dem entspricht das Verständnis der Leerheit. Wenn die Leerheit verstanden wird, dann kann dieses Verständnis weiter erhöht werden; das ist, was man dann Meditation nennt. Und das Mahamudra ist eine Erhöhung des Verständnisses der Leerheit.
Wenn wir das gehört haben, sollten wir zwei Dinge verstanden haben, nämlich erstens, daß das Objekt der Meditation des Mahamudra die Leerheit ist und daß man diese Leerheit verstanden haben muß, um darüber zu meditieren, und als zweites, daß es ein Fehler war, wenn man bisher gedacht hat, man meditiere über Mahamudra, wenn man nur mit einem leeren Geist dasaß.
Bezüglich des Geistes, der über die Leerheit meditiert, der sie erkennt, besteht nun der Unterschied in der Meditation des Sutrayana und der des Tantrayana. Das Mahamudra des Tantrayana beinhaltet einen viel subtileren Geist, der diese letztliche Wahrheit erkennt, als die Meditation entsprechend dem Sutrayana.
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